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Warum gerade dieser Film?
„Die Frage nach der männlichen Identität hat mich schon immer interessiert. Ich glaube, Männer verstecken sich hinter einer virilen Fassade, die sie daran hindert, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen und offen und ehrlich mit anderen Männern zu sprechen, aus Angst, ihren äusseren Panzer ablegen zu müssen. Das führt sie nun dazu, nur mit Frauen und in meist konfliktbelasteten Beziehungen von ihren innersten Gefühlen zu sprechen. Was meine eigenen Überlegungen angeht, habe ich im November 2002 an einer Trekkingreise teilgenommen, die von „Réseau Hommes International“ organisiert wurde, einer Männerbewegung, die der kanadische Psychoanalytiker Guy Corneau ins Leben gerufen hat. Das Projekt bestand darin, mit einer Gruppe von Männern aus mehreren Ländern in die Wüste zu ziehen und zwei Wochen lang offen und zwanglos über typisch männliche Themen zu reden, die nicht selten tabu sind. Persönlich war es eine sehr intensive Erfahrung für mich. Als Filmemacher hat mich das auf die Idee gebracht, eine grössere Öffentlichkeit daran teilhaben zu lassen.“
Welchen Beitrag leistet dieser Film zum Thema Männlichkeit?
„Ich glaube, dass die offenen, ehrlichen und ausdrucksstarken Worte, die hier fallen, mit einer solch überzeugenden Natürlichkeit vorgebracht werden, wie man sie im Film noch nicht gesehen hat. So beispielsweise die beiden Teilnehmer, die ihre Angst eingestehen, ihr Leben lang Gefangene des weiblichen Geschlechts zu bleiben. Oder ein anderer Reisegefährte, der seiner Mutter einen Brief schreibt, um ihr klar zu machen, wie aufdringlich sie sich in sein Leben einmischt und wie schwierig es dadurch für ihn ist, auf die Wünsche der Frauen einzugehen. Diese Interviews bringen zur Sprache, was viele Männer täglich erleben, ohne es zu wissen oder ausdrücken zu können.
Unsere Gesellschaft vergöttert geradezu die Wettkampfstärke, Macht und Kraft als typisch männliche Werte.“
Und die Frauen?
„Dieser Film zeigt, dass auch Männer es schaffen, ihre Gefühle auszudrücken und mitzuteilen. Ich glaube, das berührt auch die Frauen, weil sie ebenfalls darunter leiden, wenn Männer ihre Männlichkeit nicht richtig begreifen. Le souffle du désert ist zwar ein Film mit Männern, die erst unter Männern sein müssen, um über ihre typisch maskulinen Probleme sprechen zu können, doch er zeigt auch, dass hiervon alle sozialen Beziehungen betroffen sind, insbesondere die Beziehungen zwischen Mann und Frau.“
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